Was passiert nach einer Amputation? Erste Schritte zur Prothesenversorgung
Der Moment, in dem klar wird, dass eine Amputation notwendig ist, bringt viele Fragen, Ängste und Unsicherheiten mit sich. Dieser neue Lebensabschnitt markiert jedoch nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Weges. Nach der Operation folgt eine wichtige Phase der Heilung, der Neuorientierung und der Vorbereitung auf das Leben mit Prothese. Mit der richtigen Unterstützung und der passenden Prothesenversorgung kann der neue Alltag gut gemeistert werden.
Die ersten Wochen nach der Amputation
Je nach Amputationsursache und den Besonderheiten des Stumpfes unterscheidet sich die Behandlung. Wichtig sind hierbei eine gute Wundpflege und die richtige Formung des Stumpfes. Aufgrund der Schwellung nach der Operation werden zunächst Kompressionsverbände verwendet. Nach rund einer Woche geht die Schwellung zurück, die Amputationswunde ist nach 3-4 Wochen verheilt und die Drainagen werden entfernt. Anschließend werden spezielle Silikonhüllen (Post-OP-Liner) genutzt.
In dieser frühen Phase kann, unter Anleitung eine*s Phyisotherapeuten/-in, mit einfachen Atem- und Bewegungsübung mit Gewichten und Bändern gestartet werden. So wird die Muskulatur des Oberkörpers sowie die restlichen Gliedmaßen gestärkt und erleichtert später den Umgang mit der Prothese. Zudem wird der selbstständige Wechsel vom Bett in den Rollstuhl und zurück trainiert. Je nach Zustand werden erste Steh- und Gehübungen ohne Prothese am Barren geübt.

Sobald sich die Grunderkrankung stabilisiert hat und die Wunde gut verheilt ist, erfolgt die Verlegung in die Rehabilitationsklinik. Dies ist bei einem typischen Krankheitsverlauf zwei bis drei Wochen nach der Operation.
Patient*innen können kurz nach der Amputation durch das sogenannte Peer-Counseling unterstützt werden. Bei diesem werden sie von erfahrenen Prothesenträger*innen im Krankenhaus besucht, um sich auszutauschen.
Wann beginnt die Prothesenversorgung?
Den Start der Prothesenversorgung legen Ärzt*in und Orthopädietechniker*in gemeinsam fest, am besten nach einem frühen Kennenlernen zwischen Orthopädietechniker*in und Patient*in. Der/die Orthopädietechniker*in überprüft den Stumpf und passt Kompressionsstrümpfe sowie Silikonliner an. Zudem werden, passend zu den Bedürfnissen der Patient*innen, die nächsten Schritte für die Prothesenversorgung abgestimmt.
Zunächst verändert sich der Stumpf noch, weshalb eine Interimsprothese angefertigt wird, damit der Schaft nicht ständig angepasst werden muss. Mithilfe dieser Prothese können Anwender*innen frühzeitig mobilisiert und das Stumpfödem reduziert werden. Zudem können verschiedene Passteile wie Prothesenfüße oder Prothesenkniegelenke ausprobiert werden, um für die Definitivprothese die bestmögliche Kombination zu finden Nach drei bis sechs Monaten geht man davon aus, dass sich die Stumpfform stabilisiert hat und es zu keinen spontanen Veränderungen mehr kommt. Ab diesem Zeitpunkt wird die Definitivprothese angepasst. Für die Prothesenauswahl dienen die Mobilitätsgrade zur Orientierung, wobei die individuellen Bedürfnisse des/der Anwender*in ebenfalls berücksichtigt werden sollten.
Welche Fachpersonen begleiten mich während der Reha?

Ärzt*innen
Häufig handelt es sich um Fachärzte für Physikalische Medizin und Rehabilitation oder Orthopädie. Sie sind für den Rehabilitationsprozess inkl. der Behandlung von Wundheilungsstörungen und Schmerztherapie verantwortlich.

Pflegepersonal
Kümmert sich um die Wundversorgung und Stumpfpflege. Zudem sorgt es für die Reduzierung des Wundödems mithilfe von Kompressionsstrümpfen, Silikonlinern oder durch das Wickeln des Stumpfes. Daneben trainiert das Pflegepersonal, oft in Zusammenarbeit mit der Ergotherapie, das An- und Ausziehen der Prothese sowie die Anwendung des Liners.

Orthopädietechniker*innen
Übernehmen eine zentrale Rolle in der Versorgung. Sie begleiten Patient*innen sowohl während als auch nach der Rehabilitation. Sie sind für alle Aspekte rund um die Prothese verantwortlich, weshalb ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Patient*innen besonders wichtig ist. Zu ihren Aufgaben gehören die Herstellung und Anpassung der Prothese in enger Abstimmung mit dem Rehateam, die Einweisung in den Umgang mit dieser, notwendige Nachpassungen sowie die halbjährliche Wartung der Prothese und Passteile.

Physiotherapeut*innen
Sind dafür zuständig das Stumpfödem zu reduzieren, die Durchblutung zu fördern, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten, den Stumpf vorzubereiten, abzuhärten und zu formen als auch erste Steh- und Gehtrainings durchzuführen. In der stationären Rehabilitation betreuen sie das Prothesentraining, dabei steht u.a. die Prothesengehschule im Fokus. Auch eine Behandlung von möglichen Phantomschmerzen zählt zu ihren Aufgaben.

Ergotherapeut*innen
Unterstützen die Patient*innen dabei, ihren Alltag besser zu bewältigen. Sie beraten bei der Auswahl und Nutzung von Hilfsmitteln, unterstützen die Angehörigen und bereiten gemeinsam mit dem Patienten die Rückkehr nach Hause vor.

Psycholog*innen
Unterstützen den Amputierten dabei, mit der neuen Situation besser umzugehen, da eine Amputation oft mit psychischen Belastungen einhergeht. Gruppentherapie kann zudem sehr hilfreich sein und den Patient*innen aufzeigen, dass sie nicht allein sind.

Sozialdienst
Dieser schätzt ein, wie leistungsfähig der/die Patient*in ist, ob er/sie an den bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren kann und dieser angepasst werden muss. Falls nötig wird eine berufliche Neuorientierung besprochen. Zudem erhält man Hilfen für den Autoumbau, für Anpassungen im häuslichen Umfeld sowie für die Organisation der Pflege.

Weitere Angebote
Die Rehabilitation kann um Angebote aus der Sport- und physikalischen Therapie erweitert werden. Ziele der physikalischen Therapie sind es, den Stumpf abzuhärten, die Durchblutung des Stumpfes zu verbessern und zur Linderung von Phantomschmerzen beizutragen. Sporttherapeut*innen begleiten Patient*innen beim Kraft- und Kreislauftraining und führen sie an geeignete Sportarten mit Prothese heran.
Die Rolle der Reha im Heilungsverlauf
Die Rehabilitation erfolgt in einer spezialisierten Klinik und dauert in der Regel drei Wochen. Falls medizinisch erforderlich, kann sie verlängert werden. Den Antrag stellt der behandelnde Arzt oder der Sozialdienst. Anschließend wählt der Kostenträger eine Klinik in Wohnortnähe aus – wobei die Patient*innen auch ein Mitspracherecht bei der Wahl der Einrichtung haben.
In der stationären Rehabilitation lernen Patient*innen:
Die Zeit nach der Reha

Nach der Rehabilitation sind regelmäßige Nachkontrollen und Anpassungen bei dem/der Orthopädietechniker*in wichtig, da sich der Körper im Laufe der Zeit verändern kann. Auch therapeutische Unterstützung kann sehr hilfreich sein, z. B. Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit und des Gangbildes oder zur Behandlung von Phantomschmerzen.
Neben der körperlichen Anpassung spielt die psychische und soziale Integration eine wichtige Rolle. Selbsthilfegruppen können hierbei eine wichtige Unterstützung sein, da sie den Austausch mit anderen und gemeinsame Aktivitäten ermöglichen und dabei helfen, sich gegenseitig zu ermutigen.
