Mobilitätsgrade
Um eine geeignete Beinprothese für Anwender*innen auszuwählen, werden Mobilitätsgrade zur Kategorisierung genutzt. Diese beschreiben das Therapieziel und berücksichtigen sowohl die aktuellen als auch die realistisch zu erwartenden Fähigkeiten der Patient*innen. Der Prothesentyp wird auf Grundlage des Mobilitätsgrads ausgewählt, wodurch Patient*innen ihre Prothesenversorgung und Rehabilitation aufgezeigt wird. Im Verlauf der Zeit kann sich der Mobilitätsgrad noch ändern, was Anpassungen in der Versorgung erforderlich macht. Aspekte, die bei der Bestimmung des Mobilitätsgrades mit einbezogen werden, sind z.B. Amputationshöhe und Stumpfbeschaffenheit, allgemeiner Gesundheitszustand und körperliche Kondition sowie Alter.
Die fünf Mobilitätsgrade im Überblick

Mobilitätsgrad 0 – Nicht-Gehfähiger
Aufgrund der schlechten physischen oder psychischen Verfassung können Patient*innen auch mit fremder Hilfe die Prothese nicht zur Fortbewegung oder zum Transfer (z.B. vom Bett in den Rollstuhl) verwenden. Daher wird mit einer kosmetischen, nicht mobilisierenden Prothesenversorgung gearbeitet, die das äußere Erscheinungsbild wiederherstellt.
Therapieziele

Mobilitätsgrad 1 – Innenbereichsgeher
Patient*innen sind in der Lage ihre Prothese bei geringer Gehgeschwindigkeit zu Transferzwecken oder zur Fortbewegung auf ebenen Böden zu verwenden. Dabei sind Gehdauer und -strecke sehr begrenzt.
Therapieziele

Mobilitätsgrad 2 – Eingeschränkter Außenbereichsgeher
Mit ihrer Prothese können Patient*innen langsam gehen und niedrige Hindernisse wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden bewältigen. Gehdauer und -strecke sind dabei limitiert.
Therapieziele

Mobilitätsgrad 3 – Uneingeschränkter Außenbereichsgeher
Patient*innen bewegen sich mit Prothese mit mittlerer bis hoher, auch veränderlicher Gehgeschwindigkeit und können dabei die meisten Umwelthindernisse zu überwinden. Uneingeschränkte Außenbereichsgeher können sich im freien Gelände bewegen sowie berufliche, therapeutische und andere Aktivitäten ausüben, die die Prothese nicht überdurchschnittlicher, mechanischer Beanspruchung aussetzen.
Ein erhöhter Sicherheitsbedarf kann sich durch Sekundärbedingungen, wie beispielsweise eine zusätzliche Behinderung oder bestimmte Lebensbedingungen, in Verbindung mit einem mittleren bis hohen Mobilitätsanspruch ergeben.
Gehdauer und Gehstrecke sind im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung nur geringfügig eingeschränkt.
Therapieziele

Mobilitätsgrad 4 – Uneingeschränkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen Ansprüchen
Mithilfe der Prothese können sich Anwender*innen wie der uneingeschränkte Außenbereichsgeher fortbewegen, wobei die Gehdauer und -strecke unbegrenzt sind. Wegen der hohen funktionellen Anforderungen können hohe Stoßbelastungen, Spannungen und Verformungen entstehen.
