Reisen mit Prothese
Reisen bietet die Chance neue Orte zu erkunden, in fremde Kulturen einzutauchen und unvergessliche Erinnerungen zu sammeln. Für Prothesenträger*innen kann Reisen jedoch Herausforderungen mit sich bringen. Deshalb ist eine sorgfältige Planung und Vorbereitung wichtig, um den Urlaub so angenehm und stressfrei wie möglich zu gestalten.
Planung des Reiseziels
Ob es sich um Städtetrip, Kreuzfahrt, Bahn- oder Flugreise handelt – das Reiseziel im Voraus zu recherchieren und die Reise sorgfältig zu planen, hilft, sich auf mögliche Herausforderungen vorzubereiten. Unterkunft, Transportmöglichkeiten und Veranstaltungen sollten auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt werden. Dafür ist es empfehlenswert, Reiseveranstalter zu kontaktieren und sich individuell beraten zu lassen.
Bei der Planung einer Städtereise sollten insbesondere die Straßengegebenheiten wie hügelige Straßen, Kopfsteinpflaster und Treppen berücksichtigt werden. Abhängig von der individuellen Mobilität können Sightseeing-Busse in manchen Städten eine bequeme Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln darstellen, da nicht alle Bahnhöfe barrierefrei sind.
Einen Überblick für die eigene Reiseplanung kann die Website von einfach teilhaben geben, hier findet man Information zu barrierefreien Reisezielen, Unterkünften und verschiedensten Verkehrsmitteln.
Bei der Suche nach barrierefreien Urlaubszielen in Deutschland und Österreich kann auch die Seite der Deutschen Bahn weiterhelfen.
Vorbereitungen vor Reiseantritt
Damit die Reise gut beginnen kann, sollten vor Reiseantritt die bestmöglichen Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört auch ein gut versorgter Stumpf, der ein beschwerdefreies Gehen ermöglicht. Deshalb ist eine frühzeitige Kontrolle des Stumpfes entscheidend.
Gibt es hier Veränderungen der Form, des Volumens oder Druckstellen? Sitzen Liner oder Kniekappe noch optimal und haben sie Risse oder Löcher? Die Pflege des Stumpfs ist auch vor der Urlaubsreise besonders wichtig, um möglichen Problemen wegen des ungewohnten Wetters oder der Luftfeuchtigkeit vorzubeugen.
Neben der selbstständigen Kontrolle des Stumpfs kann ein Check-up bei Orthopädietechniker*innen sinnvoll sein. Bei diesen kann man sich ebenfalls einen Prothesenpass ausstellen lassen. Weitere Bescheinigungen für Medikamente und medizinische Hilfsmittel kann man bei Hausärzt*innen erhalten.
Flugreisen als Prothesenträger*in
Bei Flugreisen sollte die Fluggesellschaft darüber informiert werden, dass man Prothesen trägt und ggf. ein Mobilitätsservice gebucht werden. Für mehr Beinfreiheit sollte man einen Gangplatz reservieren.
Möchte man eine weitere Prothese, wie z.B. eine Badeprothese mitnehmen, kann diese als Sperrgepäck transportiert werden. Gehstützen können zudem als medizinisches Sondergepäck aufgegeben werden. Dies sollte vorab immer bei der jeweiligen Fluggesellschaft nachgefragt werden.
Für die Sicherheitskontrolle sollte man seinen Prothesenpass dabeihaben, um sich als Prothesenträger*in auszuweisen. Da der Metalldetektor wegen der Prothese ausschlägt, wird ein Sprengstofftest durchgeführt. Lockere Kleidung kann den Sicherheitscheck sowie das spätere Anpassen der Prothese im Flugzeug erleichtern. Denn durch den Druckverlust im Flugzeug kann es zu Volumenschwankungen am Stumpf kommen.
Langes Sitzen mit Prothese kann unbequem sein. Für mehr Komfort während des Flugs lohnt es sich ein Sitzkissen mitzunehmen. Die Prothese selbst sollte nur gelockert und nicht vollständig abgenommen werden, da das Anziehen kurz vor der Landung schwierig werden könnte. Deshalb lohnt es sich beispielsweise einen Kompressionsstrumpf, Liner oder Polstermaterial im Handgepäck zu haben.
Umgang mit Volumenschwankungen
Im Urlaub kann es durch veränderte Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit zu Volumenschwankungen des Stumpfes kommen. Hierdurch werden Tragekomfort und Funktionalität der Prothese beeinträchtigt, da der Halt zur Prothese verloren geht. Um dem entgegenzuwirken kann ein Stumpfstrumpf oder der Ethnocare Overlay™ getragen werden. Hierbei handelt es sich um einen Textilüberzug mit integriertem Luftkammersystem, mit dem sich das Volumen bedarfsweise anpassen und somit die Schwankung ausgleichen lässt. Besonders praktisch ist, dass dafür die Prothese oder Kleidung nicht abgelegt werden muss – das erleichtert Anwender*innen auch während des Flugs den Ausgleich von Volumenschwankungen.
Mit Badeprothese sicher ins kühle Nass
Eine Badeprothese ist ein unverzichtbarer Begleiter für den Strandurlaub, denn sie ermöglicht Anwender*innen mehr Mobilität und Sicherheit im Wasser. Aber auch für das rutschsichere Duschen ist eine Badeprothese wichtig. Alternativ sollte ein Duschhocker bei der Unterkunft angefragt oder selbst mitgebracht werden.
Für Anwender*innen einer Armprothese gibt es Schwimmpaddel für den Wassersport wie die Kahuna Hand oder das Free Style Swim Paddle. Diese verbessern die Schwimmfähigkeit, da sie zusätzlichen Widerstand bieten, der die Armbewegungen verstärkt und so eine effektivere Fortbewegung im Wasser ermöglicht.
