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Veröffentlicht: 6. Mai 2026|Kategorien: Hintergrundwissen|7 min read|

Sicher gehen mit Fußheberschwäche

Wenn man beim Laufen plötzlich hängen bleibt oder häufiger stolpert, liegt das nicht immer nur an mangelnder Aufmerksamkeit. Manchmal steckt eine Fußheberschwäche dahinter. Bei dieser kann man den Fuß nicht richtig anheben, wodurch sich der Gang verändert und das Sturzrisiko erhöht. Dieser Beitrag zeigt, woran man eine Fußheberschwäche erkennt, welche Ursachen sie hat und welche Behandlungsmethoden dabei helfen, wieder sicher und selbstbestimmt durch den Alltag zu gehen.

Was ist eine Fußheberschwäche?

Bei einer Fußheberschwäche – auch Peroneusparese genannt – ist der Peroneusnerv in seiner Funktion eingeschränkt. Normalerweise leitet er Bewegungssignale aus dem Gehirn an die Fußhebermuskeln im Unterschenkel weiter, sodass diese den Fuß anheben können. Ist der Nerv geschädigt oder kommen die Impulse durch eine Störung im Nervensystem gar nicht an, verlieren Patient*innen die Kontrolle über Anheben, Aufsetzen und Abrollen des Fußes. Ein natürlicher Gang ist daher nicht mehr möglich. Die Fußheberschwäche kann einseitig oder beidseitig auftreten.

Wenn der Fuß nicht mehr aktiv angehoben werden kann, verändert sich das Gangbild, um die Fußheberschwäche zu kompensieren. Damit der Vorfuß nicht am Boden hängen bleibt, heben Patient*innen den Oberschenkel stärker an und beugen das Knie stärker.

Was sind Symptome einer Fußheberschwäche?

  • Schmerzen im Fuß oder Unterschenkel

  • Schwierigkeit, den Fuß abzurollen

  • Häufiges Stolpern

  • Generelle Schwäche oder Taubheitsgefühl im Fuß bzw. Unterschenkel beim Gehen oder Stehen

  • Probleme Zehen und Fuß beim Gehen anzuheben und Hindernisse zu überwinden

  • Der Fuß hängt nach unten und schleift beim Gehen über den Boden

  • Den Fuß seitlich nachziehen oder besonders hochheben (sogenannter Storchen- oder Steppergang)

Mit der Zeit kann sich die Sturzgefahr erhöhen und es können sich Fehlhaltungen entwickeln. Solche Fehlhaltungen können wiederum Muskulatur und Gelenke beeinträchtigen. Ebenso kann es zu Schmerzen in Rücken, Hüfte oder Knien kommen.

Welche Ursachen hat eine Fußheberschwäche?

Eine Fußheberschwäche kann unterschiedliche Ursachen haben. Grundsätzlich wird zwischen der zentralen und der peripheren Fußheberschwäche unterschieden. Anhand dieser Unterscheidung wird eine erste Entscheidung für die Versorgung gefällt.

Die zentrale Fußheberschwäche ist auf eine Schädigung des Zentralnervensystems zurückzuführen, wodurch die Nervenbahnen zum betroffenen Bein beeinträchtigt sind. Das wird z. B. durch einen Schlaganfall, eine Rückenmarksverletzung, ein Schädel-Hirn-Trauma, Multiple Sklerose oder Tumore, Blutungen sowie Entwicklungsstörungen ausgelöst.

Bei der peripheren Fußheberschwäche ist ein außerhalb liegender Nerv betroffen, der beispielsweise durch hohen Druck belastet wird, wie z. B. bei einem Bandscheibenvorfall.

Nach einem Schlaganfall zeigt sich eine Fußheberschwäche meistens schon bei der ersten Mobilisation. Während der Rehabilitation verändern sich Muskelspannung und Kraft der Fußheber oft, weshalb der Heilungsverlauf beobachtet und zunächst keine endgültige Versorgung festgelegt wird. Neben Fußwickeln können Orthesen oder ein batteriebetriebenes funktionelles Elektrostimulationssystem in diesem Stadium unterstützen.

Bei Patient*innen mit Multipler Sklerose kann eine Fußheberschwäche in allen Krankheitsstadien auftreten. Manche bemerken sie erst nach längerer Gehstrecke, wobei sie nach einer Ruhephase wieder verschwindet. In einem Schub kann die Schwäche vorübergehend intensiver werden und sich danach wieder verbessern.

Zudem können Entzündungen oder Verletzungen im Bereich von Knöchel, Unterschenkel oder Wirbelsäule eine Fußheberschwäche verursachen. Wenn entsprechende Nerven, Sehnen oder Muskeln geschädigt sind, funktioniert die Steuerung des Fußhebers nicht mehr richtig.

Durch Bewegungsmangel und die fehlende Beanspruchung der Muskeln verlieren diese an Kraft. Mit zunehmendem Alter können sich Nerven und Muskeln zurückbilden, was ebenfalls zur Fußheberschwäche führen kann.

Wie wird eine Fußheberschwäche diagnostiziert?

Um eine mögliche Fußheberschwäche zu diagnostizieren, wird eine Anamnese sowie eine klinische Untersuchung, i. d. R. durch eine/einen Neurolog*in, durchgeführt. Dazu gehören Informationen zur Krankheitsgeschichte, Symptome, frühere Verletzungen oder Erkrankungen sowie der Verlauf der Beschwerden.

Bei der ärztlichen Untersuchung werden u. a. Muskelfunktion, Reflexe, Empfindungen sowie die Beweglichkeit von Fuß und Unterschenkel geprüft. Zusätzlich sollte eine Ganganalyse durchgeführt werden, um Auffälligkeiten im Gangbild festzustellen und zu analysieren.

Zudem können in bestimmten Fällen elektrophysiologische Messungen und bildgebende Verfahren wie Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), Magnet-Resonanz-Neurografie oder Nervensonografie durchgeführt werden.

Das Bild zeigt einen Arzt, der sich etwas auf einem Klemmbrett notiert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Fußheberschwäche?

Je nach Ursache der Fußheberschwäche gibt es unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten, mit denen man versucht die Funktion des betroffenen Nervs teilweise oder vollständig wiederherzustellen. Ist die Nervenschädigung jedoch zu stark ausgeprägt, wird auf unterstützende Maßnahmen zurückgegriffen. Diese können die Gangsicherheit verbessern und dazu beitragen, Folgeschäden wie Fehlstellungen oder Muskelschwund zu verhindern.

Orthesen

Orthesen können sowohl bei zentralen als auch bei peripheren Diagnosen eingesetzt werden. Je nach Konstruktion unterstützt eine Orthese in den verschiedenen Gangphasen: Sie ermöglicht ein kontrolliertes Aufsetzen sowie Absenken des Fußes, stabilisiert das Bein in der Standphase und unterstützt es in der Schwungphase. Zudem kann durch eine Orthese sowohl die Gefahr von Stürzen als auch Verletzung von beteiligten Strukturen und Gelenken verringert werden. Darüber hinaus können sie dazu beitragen Schmerzen zu reduzieren und Fehlstellungen zu korrigieren.

Neben ihrer Funktion ist auch wichtig, dass eine Orthese komfortabel ist und sich möglichst leicht an- und ausziehen lässt. Um eine individuell passende Orthese auszuwählen, beobachten Physiotherapeut*innen und Orthopädietechniker*innen das Gangbild der Patient*innen über einen längeren Zeitraum und passen gegebenenfalls die Versorgung an.

Zusätzlich können Bandagen das Risiko zu stolpern oder umzuknicken verringern. Ergänzend zur Orthese kann Physiotherapie nötig sein, um die Fuß- und Unterschenkelmuskulatur zu trainieren.

Physiotherapie

Mithilfe der Physiotherapie als zentraler Bestandteil zur Behandlung einer Fußheberschwäche wird die Fußhebermuskulatur trainiert. Dadurch wird dem Abbau von Muskelmasse entgegengewirkt sowie der Peroneusnerv stimuliert, um dessen Funktion zu verbessern. Außerdem werden die umliegenden Muskelgruppen trainiert, die einen Teil der geschwächten Muskulatur ausgleichen können.

Funktionelle Elektrostimulation

Operation

Verbessert sich die Fußheberschwäche nach ca. 12 Monaten durch konservative Therapien – wie Orthesen oder Elektrostimulation – nicht, kann ein Sehnentransfer in Betracht gezogen werden. Bei dieser operativen Maßnahme wird eine funktionierende Sehne so versetzt, sodass der zugehörige Muskel eine neue Bewegungsfunktion übernehmen kann. Mithilfe dieser Methode kann die ursprüngliche Kraft nicht vollständig wiederhergestellt werden, dennoch bewirkt sie eine Verbesserung der Funktion und Lebensqualität.

Fazit

Eine Fußheberschwäche kann den Alltag beeinflussen. Umso wichtiger ist deshalb die frühzeitige Behandlung, um dauerhaften Funktionseinschränkungen und Folgeschäden entgegenzuwirken. Die Behandlungsmethoden reichen dabei von Physiotherapie über Orthesen bis hin zur Funktionellen Elektrostimulation oder operativen Verfahren.
Mit der passenden Versorgung lässt sich die Gangsicherheit gezielt verbessern und ein aktiver, selbstbestimmter Alltag unterstützen.