Veröffentlicht: 26. Februar 2026|Kategorien: Alltag, Anwenderinfos|6 min read|

Sport mit Prothese – mehr als nur Bewegung

Sport hält nicht nur Körper und Geist fit, sondern stärkt auch das Selbstvertrauen. Die Möglichkeiten mit einer Prothese Sport zu treiben sind vielfältig: Von Mannschafts- oder Individualsport, Laufen oder Fahrradfahren – für jede*n ist etwas dabei! Es lohnt sich auch neue Sportarten auszuprobieren. Das Wichtigste dabei ist, dass es Spaß macht und dadurch motiviert dranzubleiben.

Positive Effekte durch Sport

Sport verbessert die körperliche Kondition, fördert das Herz-Kreislauf-System, hilft beim Erreichen bzw. Erhalten des eigenen Idealgewichts, fördert den Musekelaufbau und verbessert die motorischen Fähigkeiten.

Zudem kann Sport die Stimmung aufhellen, das psychische Wohlbefinden verbessern sowie das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stärken. Daneben hilft sportliche Aktivität die neue Lebenssituation besser zu bewältigen und die eigene Behinderung zu akzeptieren. Sport bietet auch die Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig zu motivieren.

Was gibt es beim Sport mit Prothese zu beachten?

Je nach allgemeinem Gesundheitszustand und der Art der Prothese ist es wichtig den Sport mit dem/der Ärzt*in oder Physiotherapeut*in abzuklären. Mit dem/der Orthopädietechniker*in sollte abgestimmt werden, ob die Alltagsprothese für die geplante Sportart geeignet ist. Denn Alltagsprothesen sind individuell auf den Aktivitätsgrad und das Körpergewicht angepasst, wodurch eine übermäßige Belastung zu Schäden an der Prothese führen kann. Gerade für Laufsportarten gibt es deshalb spezielle Sportprothesen, die für die für die erhöhte Belastung ausgelegt sind und zusätzlich den Bewegungsablauf unterstützen.

Eine höhere Aktivität kann auch den Stumpf belasten, weshalb man diesen auf Veränderungen kontrollieren sollte. Zudem ist durch das vermehrte Schwitzen die regelmäßige Reinigung und Pflege wichtig.

Braucht man eine Sportprothese?

Nicht für jede Sportart reicht eine Alltagsprothese aus. Hierfür gibt es spezielle Sportprothesen, die der höheren Intensität und Belastung standhalten. Da jede Sportart unterschiedliche Anforderungen mit sich bringt, gibt es spezielle Sportprothesen für das Sprinten, Joggen oder auch zum Skifahren.

Die Kosten für eine Sportprothese werden von den gesetzlichen Krankenkassen i.d.R. nur für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre übernommen, um beispielsweise am Schulsport teilnehmen zu können.

Welche Sportarten kann man mit Prothese ausüben?

Auf dem Bild ist eine Person mit Nordic-Walking-Stöcken zu sehen.

Nordic Walking

Diese Sportart ist gut für den Einstieg geeignet, fördert das sichere Gehen sowie die Ausdauer. Zudem ist Nordic Walking ideal, um Arme und Beine gleichzeitig zu trainieren. Die Laufstöcke schonen die Gelenke, geben Halt und bieten Anwender*innen Sicherheit im Umgang mit ihrer Prothese , da das Prothesensystem bei diesem Sport besser belastet werden kann. Der Gang wird insgesamt flüssiger und gleichmäßiger. Zudem helfen die Stöcke einem dabei schneller gehen zu können.

Schwimmen

Neben einer wasserfesten Prothese braucht man ggf. Brustbretter, Schwimmnudeln oder Schwimmgürtel für zusätzliche Unterstützung und Auftrieb. Es ist sowohl mit als auch ohne Badeprothese möglich: Mit Prothese zu schwimmen hilft das Gleichgewicht besser zu halten und sorgt für mehr Sicherheit im Wasser sowie im nassen Gelände. Ohne Prothese kann sich das Schwimmen freier anfühlen und man trägt kein zusätzliches Gewicht, wodurch es weniger anstrengend ist. Gleichzeitig kann es am Anfang schwieriger sein das Gleichgewicht zu halten. Schwimmen schont die Gelenke und beansprucht viele Muskelgruppen im gesamten Körper. Regelmäßiges Schwimmtraining steigert die Leistungsfähigkeit des Herzens und kann den Blutdruck verbessern.

Das Bild zeigt eine Person beim Schwimmen.
Auf dem Bild ist ein Mann mit Armprothese zu sehen, der Fahrrad fährt.

Radfahren

Wie sonst auch ist ein gut sitzender Schaft wichtig, damit keine Druck- und/oder Scheuerstellen entstehen. Eine Alltags-Beinprothese ist zum Radfahren geeignet. Es gibt auch Prothesengelenke mit einem sogenannten Fahrradmodus, durch den man ohne Widerstand in die Pedale treten kann. Für Anwender*innen einer Armprothese gibt es wiederum spezielle Prothesenhände für das Fahrradfahren.

Zu Beginn kann man auf dem Ergometer üben, um die Beinmuskulatur zu stärken. Ein gewöhnliches und verkehrssicheres Fahrrad reicht aus. Um sicher und bequem Auf- und Absteigen zu können eignet sich ein Damenrad. Handbremsen bieten mehr Kontrolle als Rücktrittbremsen und verhindern das Rutschen und Blockieren des Hinterrads. Der Prothesenfuß sollte gut auf dem Pedal sitzen und sich beim Anhalten leicht lösen lassen. Die Sattelhöhe sollte so eingestellt sein, dass die Beine leicht gebeugt sind und man den Boden mit der Fußsohle berührt. Es ist hilfreich das Auf- und Absteigen zu üben und dabei eine*n Helfer*in bei sich zu haben. Alternativ kann man durch erfahrene Gehschultrainer*innen unterstützt werden.

Amputiertenfußball

Fußball begeistert und verbindet Menschen nicht nur, sondern lässt sich auch ohne Prothese spielen. Im Format 7 gegen 7 spielen die Feldspieler einbeinig auf Krücken, wobei der Ball weder mit diesen noch mit dem Stumpf gespielt werden darf. Torwarte haben beide Beine und eine Armamputation oder -verkürzung. Weitere Anpassungen sind z.B., dass ohne Abseits gespielt wird und der Torwart den Torraum nicht verlassen darf. Für das Fußballtraining kommt es auf Kraft, Ausdauer und technisches Können an. Dafür ist die Kräftigung der Muskeln in Rumpf, Bein, Schultern und Rücken wichtig. Neben Kraft- und Konditionstraining sind Balltechnik, Beweglichkeit und mentale Stärke wichtige Bestandteile des Trainings.

Das Bild zeigt einen Amputierten, der Fußball spielt.
Das Bild zeigt eine Frau mit Beinprothese.

Tanzen

Ob in der Gruppe, mit Partner oder für sich – Tanzen bietet verschiedenste Stilrichtungen, mit denen man sich ausdrücken und sein Selbstbewusstsein sowie seine Beweglichkeit stärken kann. Das Tanzen bietet nicht nur eine gute Möglichkeit, um die eigene Beweglichkeit zu stärken, sondern fördert auch Konzentration und Denkfähigkeit. Man sollte dafür sicher im Gang sein und am besten mit langsameren Tänzen mit einfachen Schritten starten, z.B. langsamer Walzer, Kizomba oder orientalischer Tanz. Mit Geduld und Ausdauer kann man die Tanzfiguren und das Tempo individuell anpassen. Tänzer*innen mit Beinamputation können teilweise auch an (nicht-inklusiven) zeitgenössischen Tanzkursen teilnehmen, es lohnt sich also nachzufragen. Für die verschiedenen Bewegungen sollte die Prothese bei dem/der Ortopädietechniker*in angepasst werden.

Darüber hinaus sind noch viele weitere Sportarten wie Reiten, Yoga, Traditionelle Kampfsportarten, Ski, Klettern, Rudern, Stand-up-Paddling und viele mehr möglich!

Schritt für Schritt zum Ziel

Übung macht bekanntlich den Meister – deshalb sollte man geduldig bleiben, wenn es nicht sofort klappt und sich auch für kleine Fortschritte loben. Dabei können neben Physiotherpeut*innen und Trainer*innen der Austausch mit anderen Prothesenträger*innen sowie gemeinsame Sportaktivitäten helfen motiviert zu bleiben.