Nach der Amputation – so können Angehörige unterstützen
Eine Amputation stellt einen Wendepunkt im Leben eines Menschen dar und bringt sowohl körperliche als auch psychische Herausforderungen mit sich. Die Unterstützung durch Angehörige wie Familie, Partner und Freunde spielt in dieser Zeit eine wichtige Rolle. Dabei sind Empathie, Verständnis und Geduld genauso relevant wie praktische Hilfe im Alltag.
Emotionale Herausforderungen nach einer Amputation
Eine Amputation kann unterschiedliche Gefühle auslösen, beispielsweise:
Nach der Operation ziehen sich Betroffene eher zurück und möchten weniger Besuch haben. Häufig haben sie deshalb ein schlechtes Gewissen. Zu Beginn der Reha können sich Amputierte überfordert fühlen, da sie nun weniger durch Pflegekräfte unterstützt werden und Schritt für Schritt wieder selbstständiger werden. Diese Umstellung kann herausfordernd sein. Hinzu kommen oft Rückschläge im Behandlungsverlauf, Schlafstörungen und konstante oder akute Schmerzen sowie Phantomschmerzen [1], wodurch Amputierte unter Stress stehen und leichter reizbar sind.
Wie Angehörige nach einer Amputation unterstützen können
Vor allem kurz nach der Amputation können Betroffene negative Emotionen empfinden. Umso wichtiger ist es, diese mit Familienmitgliedern, Freunden oder Therapeut*innen zu besprechen. Solche Emotionen gehören zum Verarbeitungsprozess dazu und brauchen daher ihre Zeit. Psychologische Unterstützung kann bereits im Krankenhaus dabei unterstützen die Situation besser zu akzeptieren und neue Ziele zu setzen [2].
Nach einer Amputation hilft Betroffenen die Zuwendung ihrer Angehörigen, durch die sie soziale und emotionale Unterstützung [3] sowie körperliche Sicherheit erhalten. Die Unterstützung und Zuneigung von Angehörigen kann dabei helfen, das Ereignis zu verarbeiten und die Betroffenen dazu ermutigen, ihr Leben aktiv zu gestalten [4].
Es kann auch vorkommen, dass manche Menschen im Umfeld der Betroffenen verunsichert sind und sich zurückziehen, da sie nicht wissen, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Hier bietet es sich an, die wichtigsten Bezugspersonen gleich zu Beginn mit in die Rehabilitation einzubeziehen.
Angehörige sollten es vermeiden Betroffene überfürsorglich zu behandeln – auch wenn die Hilfe gut gemeint ist. Gerade durch die Reha ist der Amputierte wieder selbstständiger geworden. Deshalb kann es sinnvoll sein, die amputierte Person Aufgaben zunächst selbst ausprobieren zu lassen, um ihre Selbstständigkeit zu stärken. Angehörige können unterstützen, sobald Hilfe gewünscht oder benötigt wird. Dafür braucht es offene Kommunikation sowie Geduld auf beiden Seiten. Das kann dazu beitragen, Schritt für Schritt mehr Sicherheit und Selbstvertrauen zu gewinnen.

Psychologische Unterstützung für Amputierte und ihre Angehörigen
Die Zeit nach der Amputation ist geprägt von vielen, auch negativen, Emotionen – sowohl für Amputierte als auch für deren Angehörige. Deshalb ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um über negative Emotionen zu sprechen und den Umgang mit diesen zu lernen [5].
Dies ist für Angehörige genauso wichtig. Deshalb sollte man nicht zögern, sich Hilfe zu suchen, vor allem, da der Umgang mit der neuen Situation Zeit braucht. Sorgen zu verbergen und Gefühle zu unterdrücken, um vermeintlich stark für die andere Person zu sein, erschwert die nötige emotionale Unterstützung [6].
Selbsthilfegruppen sind auch für Angehörige hilfreich, um sich auszutauschen und Unterstützung zu erhalten.
Um mit dem Stress besser umgehen zu können, bieten sich Strategien zur Selbstfürsorge an. Neben Entspannungs-, Atem- und Achtsamkeitsübungen sind ausreichend Schlaf und eine gesunde Ernährung förderlich.

Angehörige von Anfang an in den Prozess integrieren
Nahe Angehörige sollten bereits zu Beginn in wichtige Gespräche mit einbezogen werden. Dazu gehören z. B. Arztgespräche rund um den prothetischen Rehabilitationsprozess, die Prothesenversorgung sowie Informationen darüber, wie sich das Körperbild verändert und dass Trauerphasen durch die Amputation auftreten können.
Daneben empfiehlt es sich, an Peer-Gesprächen teilzunehmen. Bei diesen besuchen erfahrene Prothesenträger*innen den kürzlich Amputierten in der Klinik. Während das erste Kennenlernen zwischen Peer und Amputierten stattfindet, kann es sinnvoll sein, dass Angehörige bei den anschließenden Gesprächen mit dabei sind.
Während des Reha-Aufenthalts kann mit den Angehörigen geklärt werden, wie der Wohnraum möglichst barrierefrei gestaltet wird. Dabei sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
Daneben können Angehörige Einblicke in die Alltagsgewohnheiten, Bedürfnisse und Herausforderungen der Amputierten geben. Das unterstützt dabei den Trainingsbedarf für tägliche Aktivitäten einzuschätzen und die passenden Hilfsmittel auszuwählen.
Viele Amputierte und deren Angehörige können wegen der Rückkehr nach Hause und des weiteren Vorgehens verunsichert sein. Daher ist es ratsam, bei Unsicherheiten immer Fragen zu stellen, z. B. zu Hilfsmitteln und Anträgen. Bei der Haushaltsausstattung können Orthopädietechniker*innen beraten. Auch die frühzeitige Kontaktaufnahme mit dem Sozialdienst, am besten schon im Krankenhaus, kann dafür sorgen, Prozesse zu beschleunigen.
Mit Kindern über eine Amputation sprechen
Kindern sollte die Amputation klar und einfach erklärt werden. Dabei können Bücher und Geschichten helfen, weil sie zeigen, dass Menschen mit einer Prothese vieles schaffen können und diese ihnen im Alltag hilft.
Ihnen kann z. B. erklärt werden, dass manche Menschen ohne Arm oder Bein geboren wurden, während andere ein Körperteil durch einen Unfall oder eine Krankheit verlieren. Auch so können sie ein aktives Leben haben – oft mithilfe einer Prothese. Gemeinsame Unternehmungen können dabei den Zusammenhalt stärken.
Kinder stellen häufig Fragen, z. B. zu Schmerzen, die ehrlich beantwortet werden sollten. Wenn offen über körperliche Einschränkungen gesprochen wird, gehen Kinder und Jugendliche häufig leichter mit der Situation um. Fragen zuzulassen kann dazu beitragen, Unsicherheiten und Berührungsängste abzubauen. Zweifel und Sorgen dürfen offen angesprochen werden, denn ehrliche Kommunikation ist wichtig, um Vertrauen aufzubauen.

Quellenverzeichnis
[1] Gómez-Ibáñez et al., Early Patient Experiences of Primary Above-the-Knee Amputation From Vascular Etiologies: A Phenomenological Study, 2020.
[2] Torbjörnsson et al., The patient’s experience of amputation due to peripheral arterial disease, 2017.
[3] Columbo et al., Patient Experience of Recovery After Major Leg Amputation for Arterial Disease, 2018.
[4] Ohenewa et al., “After Cutting It, Things Have Never Remained the Same”: A Qualitative Study of the Perspectives of Amputees and Their Caregivers, 2025.
[5] Küçük Öztürk et al., Narrative Experiences of Individuals with Lower Limb Amputation: A Qualitative Study, 2022.
[6] Abrahamsen et al., Transitioning from hospital to home after a major lower extremity amputation: Interview study on patients‘ and relatives’ perspectives, 2024.
