Gut gerüstet für Sonne, Sand & See: Sommerzeit mit Prothese
Längere Tage, Sonnenschein und mehr Zeit im Freien – der Sommer hat einiges zu bieten. Die warmen Monate bedeuten für Prothesenträger*innen jedoch auch Herausforderungen. Hohe Temperaturen und die damit einhergehende verstärkte Schweißbildung können zu Blasen und Wunden führen. Zudem beeinträchtigen Volumenschwankungen des Stumpfes den Komfort und die Funktionalität der Prothese. Deshalb ist eine regelmäßige Pflege des Stumpfes sowie der Prothese wichtig, um Hautirritationen vorzubeugen und den Tragekomfort der Prothese zu erhalten.
Stumpfpflege im Sommer
Der Stumpf sollte mindestens zweimal täglich gewaschen werden, damit Keime und Bakterien sich nicht weiter vermehren. Dazu sollte der Stumpf mit lauwarmem Wasser und einer Waschlotion für sensible Haut gereinigt werden, das keine Duft- oder weitere Zusatzstoffe enthält. Wenn man Stumpf, Liner und Schaft nicht direkt mit Wasser reinigen kann, sollte man diese mit einem trockenen Handtuch abwischen. Am besten hat man für unterwegs eine Tasche mit Ersatzliner, Stumpfstrümpfen, Pflegetüchern und einer Anziehhilfe dabei. Außerdem empfiehlt sich Kleidung aus atmungsaktiven Stoffen, um Schweiß zu reduzieren.
Durch die erhöhten Temperaturen kann die Haut leichter austrocknen, weshalb es wichtig ist, diese regelmäßig mit Feuchtigkeit zu versorgen, um Hautirritationen oder -entzündungen zu vermeiden.

Schwitzen im Liner
Insbesondere bei Silikonlinern ist vermehrtes Schwitzen unvermeidlich. Der Liner verhindert, dass Luft an die Haut gelangt. Das ist gewollt, um einen festen Halt zwischen Schaft und Stumpf zu gewährleisten. Im Normalfall ist das kein Problem, denn eine sicher sitzende Prothese ist das Ziel einer guten Versorgung. Allerdings wird es spätestens bei Temperaturen jenseits der 30 Grad ziemlich unangenehm. Schweiß sorgt kurzfristig für ein unangenehmes Tragegefühl, mittelfristig für eine schlechtere Temperaturregulierung am Stumpf und langfristig für Hautirritationen. Im schlimmsten Fall kann dies dazu führen, dass die Prothese für einige Zeit nicht getragen werden kann.
Um dem entgegenzuwirken, gibt es am Hilfsmittelmarkt verschiedene Ansätze. So werden teilweise Stumpfstrümpfe unter dem Liner getragen, um eine bessere Luftzirkulation zu erreichen. Allerdings sind diese meistens nicht dafür ausgelegt und können bei falscher Anwendung das Problem der Hautreizung verstärken und die Passform der Prothese beeinträchtigen.
Einige Hersteller versuchen, das Problem direkt am Liner zu beheben, indem sie das Grundmaterial atmungsaktiver gestalten oder mit zusätzlichen Ventilen arbeiten. Dies hat in der Regel zur Folge, dass der Prothesenschaft entsprechend angepasst werden muss.
Eine flexible, kostengünstige und speziell dafür entwickelte Lösung kann der Ethnocare Underlay sein. Anders als bei simplen Stumpstrümpfen kommen beim Underlay verschiedene Stricktechniken zum Einsatz. Diese transportieren den Schweiß vom Stumpf ab und ermöglichen es ihm so, seine kühlende Wirkung zu entfalten. Zusätzlich minimiert das Material die Entstehung geruchsverursachender Bakterien.
Für stabilen Halt der Prothese sorgen
Bei heißem Wetter kann der Stumpf anschwellen und schwitzen, was das Anlegen der Prothese erschwert. Dafür ist es hilfreich zu duschen oder den Stumpf 3 – 5 Minuten in kaltes Wasser zu tauchen und anschließend abzutrocknen. Danach sollte die Prothese 5 – 15 Minuten getragen und kurz abgelegt werden, um diese erneut anzuziehen. So lässt sich der Stumpf optimal im Schaft positionieren. Alternativ kann der Stumpf statt eines kalten Bads mit einer elastischen Bandage umwickelt und mindestens 20 Minuten hochgelegt werden. Generell ist es wichtig bei warmen Temperaturen genug zu trinken, besonders für den Stumpf, da der Flüssigkeitshaushalt das Stumpfvolumen beeinflusst.
Solche Tricks helfen natürlich nur bedingt, wenn es morgens schnell gehen muss oder wenn die Prothese tagsüber abgelegt werden soll. Für diese Fälle gibt es verschiedene Möglichkeiten, um mit Volumenschwankungen umzugehen. Zum einen gibt es Techniken für den Schaftbau, die eine Anpassung der Schaftgröße ermöglichen. Der Prothesenschaft besteht dann aus mehreren Bestandteilen, die über ein Seilzugsystem verbunden sind. Dieses kann nach Bedarf enger oder weiter gestellt werden.
Wenn die Volumenschwankungen nur saisonbedingt sind, gibt es auch flexiblere Lösungen wie den Ethnocare Overlay. Das Hilfsmittel wird über dem Liner getragen und ist mit Luftkammern ausgestattet, die sich selbstständig aufpumpen und entleeren lassen. So können Volumenschwankungen schnell und bedarfsgerecht ausgeglichen werden, ohne dass direkt ein neuer Prothesenschaft angefertigt werden muss.

Prothesenpflege bei heißen Temperaturen
Den Prothesenschaft sollte man mit einer ph-neutralen Seife und einem feuchten Tuch säubern. Der Liner kann mit lauwarmem Wasser und ph-neutraler Waschlotion gereinigt und anschließend getrocknet werden. Zudem sollte der Liner mindestens 1x pro Woche mit einem Reinigungsspray gesäubert werden. Generell sollte man die Pflegehinweise des Herstellers zum Liner beachten.
Starke Hitze während des Tages sollte gemieden werden, das gilt für einen selbst, wie auch für die Prothese. Sonneneinstrahlung und Hitze können dem Material schaden und es verziehen. Bei elektronischen Komponenten ist es wichtig, die Herstellerangaben zu den zulässigen Temperaturen zu beachten, da hohe Hitze auch die Batterieleistung beeinträchtigen kann.
Mit Prothese ins kühle Nass
Bei den warmen Temperaturen freut man sich über eine Abkühlung. Für eine entspannte Zeit im Schwimmbad, Badesee oder Meer sorgen spezielle Badeprothesen, mit denen Anwender*innen mehr Sicherheit und Mobilität im nassen Bereich gewinnen. Die Versorgung mit einer Badeprothese ist mit der/dem zuständigen Orthopädietechniker*in abzusprechen. Diese*r wählt die passenden wasserfesten Bauteile aus, da sich diese darin unterschieden, ob sie für Süß-, Salz- oder Chlorwasser geeignet sind.

